Weitere Informationen zu den Ereignissen in Tusculum und Jerusalem

Nach Meinung der Geschichtsschreiber wurde der eine Befehlshaber durch "patientia" besiegt, der andere durch "Lauterkeit der Gottesfurcht". Einer militärischen Übermacht ausgelieferte und bedrohte Menschen bekundeten offen ihre Bereitschaft, schwere Schläge ohne Gegenwehr hinzunehmen, die Drohung wurde nicht wahrgemacht, die angedrohten Gemetzel fanden nicht statt. Falls die Berichte zutreffen sollten: War das Ergebnis Zufall? Konnten die Tusculaner damit rechnen? Konnten die Juden damit rechnen?

Patientia. Die Tusculaner arbeiteten mit dem „Missstand“ Krieg nicht zusammen, indem sie dem anrückenden Heer keinen Soldaten entgegenstellten, den es angreifen könnte. Stattdessen bekundeten sie den Angreifern durch Offenheit und Lebensmittelgaben den Willen zur Zusammenarbeit und damit erneut ihre vorher gebrochene Bündnistreue. Die Römer wurden nicht zum Verzicht auf den Rachekrieg gezwungen, aber durch patientia als wahre Waffe und wahre Kräfte „entwaffnet“, Livius wörtlich: „besiegt“.
„Die Kirchenväter [...] Tertullian [... und] Cyprian liefern [im 3. Jahrhundert n. Chr.] mit ihrer [...] Schrift ‚de patientia‘ eine theologische Begründung für die Kraft der Gewaltlosigkeit, die sie als ein aktives Handeln, nicht als passives Hinnehmen darstellen. [... Es] wird deutlich, wie klein der Schritt zu [...] Gandhi, Martin Luther King [...] ist.“ (xxxThomas Gerhards 1991, 10)
Für die Juden bestand der „Missstand“ in Pilatus‘ Absicht, sie zur Anbetung des Kaisers zu bewegen. Als sie tagelang in großer Zahl protestierten und nicht von seinem Palast wichen, wollte er sie erpressen. Da bekundeten sie massenhaft, dass ihnen die Nichtzusammenarbeit mit diesem Missstand mehr wert war als ihr Leben. Mit der äußerlichen Unterwerfungsgeste drückten sie zugleich ihre Entschlossenheit aus, der Erpressung um Gottes willen nicht nachzugeben. Pilatus war offenbar so stark beeindruckt, dass er nicht nur ihr Leben schonte, sondern auch den Missstand behob.
Theorie: „Jesuanische Taktik“. Der jüdische Jesus-Interpret Pinchas Lapide ("Er predigte in ihren Synagogen" 1982, 52ff) bringt das von Josephus berichtete Ereignis in Caesarea mit Empfehlungen in Verbindung, die Jesus nach dem Matthäus-Evangelium (5,39) gibt: „Wer dich auf die rechte Backe schlägt, dem halte auch die andere hin“ sowie „Seid sanft wie die Tauben und klug wie die Schlangen!“ (Matth. 10, 16) Einmal geschlagen, nämlich durch das römische Heer unterworfen worden waren sowohl die Tusculaner vor ihrem Bündnisbruch als auch die Juden unter Pilatus. In der Bedrohung demonstrierten beide ihre Verwundbarkeit und ihre Bereitschaft, Schläge hinzunehmen, hielten sozusagen die andere Wange hin. Lapide spricht von „jesuanischer Taktik, Gewaltlosigkeit in politische Macht umzumünzen“ und nennt den Mann aus Nazareth „Rebell der Liebe“ (S. 54. 52). Hebräischem Denken entspricht es weniger als dem griechischen, theoretisch-abstrakt zu formulieren, Allgemeines wird meist durch Beispiele vermittelt. Der Empfehlung, die andere Wange hinzuhalten, folgen bei Jesus zwei weitere Beispiele: Wer dir den Mantel gerichtlich pfänden lassen will, dem gib auch das Hemd – damit steht der Gepfändete nackt da (Arme hatten zwei Kleidungsstücke, mit dem hier als „Mantel“ übersetzten Stoff deckten sie sich nachts zu) und das Unmenschliche und Entwürdigende der beabsichtigten Pfändung wird deutlich. Wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so gehe mit ihm zwei: Römer hatten das Recht, in dem zerklüfteten, unwegsamen Gelände Bauern zur Begleitung aufzufordern, was für einige zu schwerer Belastung führte. KFv Weizsäcker xxx nennt die von Jesus empfohlene Vorgehensweise Entfeindungsliebe oder Intelligente Feindesliebe.



Mehran A. Nickbakht (2005): Tacitus und das senatus consultum de Cn. Pisone patre. Untersuchungen zur historischen Arbeitsweise des Tacitus in den Annalen. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie (Dr. phil.) durch die Philosophische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf vorgelegt von
Seite 90:
Dieser Sachverhalt leitet übergangslos zur anderen Tugend des Germanicus über: Neben singularis moderatio, also dem lobenswerten Zügeln der eigenen Machtfülle, wird Germanicus auch durch die Zuschreibung von patientia herausgehoben.314 Mit patientia ist hier ‚Duldsamkeit, Toleranz, Untätigkeit (im positiven Sinne)’ gemeint und zwar gegenüber dem Verhalten oder den Taten anderer, die als schlecht oder böswillig gelten. Es handelt sich mithin um eine stark abgeschwächte Form von clementia (Gnade), allerdings mit dem Unterschied, daß patientia kein Aufhebens von sich macht, sondern sich durch stilles Dulden auszeichnet und daher auch demjenigen, der geduldet wird, nicht ausdrücklich mitgeteilt wird.315

314 Für die Verbindung von patientia und moderatio vgl. die Beschreibung des legendären M. F. Camillus bei
Liv. 6,27,1 Camillus... singulari adversus collegam patientia et moderatione insignis. Generell zur Bedeutung
von patientia (bei Livius) siehe Moore 1989, 80-2.
315 Die Übersetzung von patientia (Z. 26) mit ‚Zurückhaltung’ in Eck 1996 ist nicht ganz zutreffend, da sie,
indem sie patientia und moderatio gleichsam als Hendyadion auffasst, patientia mit einem Begriff wiedergibt,
der synonym zu dem Wort ‚Mäßigung’ ist, mit dem moderatio (Z. 26) übersetzt wird. Daher ist patientia an
dieser Stelle besser mit ,Geduld’, wie Eck es in Zeile 18 tut.
Moore, T.J. (1989): Artistry and Ideology: Livy’s Vocabulary of Virtue, Frankfurt. Moore 1989, 80-82
375 v. Chr.
Tusculum / Rom Rom erklärt Tusculum Rachekrieg; das vorrückende Heer wird offiziell begrüßt, mit Lebensmitteln ver-sorgt; furchtlos geht das Leben in Tusculum weiter. Keine Schlacht. Camillus er¬klärt sich „durch die Geduld der Feinde überwunden.“
bewusste Nicht-Ver-teidigung, obstinater Frieden VI: 37; LP: 43f; CV: 108 Livius et al. 1991: Buch VI: 25f

[25] Vbi in recensendis captiuis cum Tusculani aliquot noscitarentur, secreti ab aliis ad tribunos adducuntur percontantibusque fassi publico consilio se militasse. cuius tam uicini belli metu Camillus motus extemplo se Romam captiuos ducturum ait, ne patres ignari sint Tusculanos ab societate descisse: castris exercituique interim, si uideatur, praesit collega. documento unus dies fuerat, ne sua consilia melioribus praeferret; nec tamen aut ipsi aut in exercitu cuiquam satis placato animo Camillus laturus culpam eius uidebatur, qua data in tam praecipitem casum res publica esset; et cum in exercitu tum Romae constans omnium fama erat, cum uaria fortuna in Volscis gesta res esset, aduersae pugnae fugaeque in L. Furio culpam, secundae decus omne penes M. Furium esse. introductis in senatum captiuis cum bello persequendos Tusculanos patres censuissent Camilloque id bellum mandassent, adiutorem sibi ad eam rem unum petit, permissoque ut ex collegis optaret quem uellet contra spem omnium L. Furium optauit; qua moderatione animi cum collegae leuauit infamiam tum sibi gloriam ingentem peperit. nec fuit cum Tusculanis bellum: pace constanti by a firm and lasting peace uim Romanam arcuerunt quam armis non poterant. intrantibus fines Romanis non demigratum ex propinquis itineri locis, non cultus agrorum intermissus; patentibus portis urbis togati obuiam frequentes imperatoribus processere; commeatus exercitui comiter in castra ex urbe et ex agris deuehitur. Camillus castris ante portas positis, eademne forma pacis quae in agris ostentaretur etiam intra moenia esset scire cupiens, ingressus urbem ubi patentes ianuas et tabernis apertis proposita omnia in medio uidit intentosque opifices suo quemque operi et ludos litterarum strepere discentium uocibus ac repletas semitas inter uolgus aliud puerorum et mulierum huc atque illuc euntium qua quemque suorum usuum causae ferrent, nihil usquam non pauidis modo sed ne mirantibus quidem simile, circumspiciebat omnia, inquirens oculis ubinam bellum fuisset; adeo nec amotae rei usquam nec oblatae ad tempus uestigium ullum erat sed ita omnia constanti tranquilla pace ut eo uix fama belli perlata uideri posset. [26] Victus igitur patientia hostium senatum eorum uocari iussit. 'soli adhuc' inquit, 'Tusculani, uera arma uerasque uires quibus ab ira Romanorum uestra tutaremini inuenistis. ite Romam ad senatum;


Camillus ist ungehorsam gegenüber dem Senatsauftrag, Tusculum zu bekriegen. Er wird im Gegensatz zu seinem Rivalen, einem Heißsporn, als weiser Mann dargestellt. Ob er Blutvergießen verhindern wollte? Dies schien im Alten Rom kein hohes Ziel gewesen zu sein. Wie dagegen Verbündete bzw. Unterworfene „zur Räson gebracht“ werden können, dafür hatte Rom schon das Sprichwort „Mögen sie uns hassen, solange sie uns nur fürchten!“  Andere Wirkelemente als die erwähnte wahre Waffe und wahre Macht patientia werden nicht berichtet.

Pilatus riskiert Ärger mit Kaiser Tiberius in Rom, der auf göttliche Verehrung im ganzen Reich Wert legt. Das Überbewundern der lauteren Gottesfurcht meint überaus hoch schätzen. Obwohl nicht davon die Rede ist, dass Pilatus größeren Widerstand befürchtet hätte, wenn er die religiösen Fanatiker im Stadion hätte umbringen lassen, könnte dieses Motiv bzw. die Unsicherheit darüber, wie viele Juden derart lauter gottesfürchtig waren, eine Rolle gespielt haben.

26. Disarmed by the submissive demeanour of the enemy he gave orders for the senate to be summoned.

[169] Πεμφθεὶς δὲ εἰς Ἰουδαίαν ἐπίτροπος ὑπὸ Τιβερίου Πιλᾶτος νύκτωρ κεκαλυμμένας εἰς Ἱεροσόλυμα εἰσκομίζει τὰς Καίσαρος εἰκόνας, αἳ σημαῖαι καλοῦνται. [170] τοῦτο μεθ' ἡμέραν μεγίστην ταραχὴν ἤγειρεν Ἰουδαίοις: οἵ τε γὰρ ἐγγὺς πρὸς τὴν ὄψιν ἐξεπλάγησαν ὡς πεπατημένων αὐτοῖς τῶν νόμων, οὐδὲν γὰρ ἀξιοῦσιν ἐν τῇ πόλει δείκηλον τίθεσθαι, καὶ πρὸς τὴν ἀγανάκτησιν τῶν κατὰ τὴν πόλιν ἄθρους ὁ ἐκ τῆς χώρας λαὸς συνέῤῥευσεν. [171] ὁρμήσαντες δὲ πρὸς Πιλᾶτον εἰς Καισάρειαν ἱκέτευον ἐξενεγκεῖν ἐξ Ἱεροσολύμων τὰς σημαίας καὶ τηρεῖν αὐτοῖς τὰ πάτρια. Πιλάτου δὲ ἀρνουμένου περὶ τὴν οἰκίαν πρηνεῖς καταπεσόντες ἐπὶ πέντε ἡμέρας καὶ νύκτας ἴσας ἀκίνητοι διεκαρτέρουν.
[172] Τῇ δ' ἑξῆς ὁ Πιλᾶτος καθίσας ἐπὶ βήματος ἐν τῷ μεγάλῳ σταδίῳ καὶ προσκαλεσάμενος τὸ πλῆθος ὡς ἀποκρίνασθαι δῆθεν αὐτοῖς θέλων, δίδωσιν τοῖς στρατιώταις σημεῖον ἐκ συντάγματος κυκλώσασθαι τοὺς Ἰουδαίους ἐν τοῖς ὅπλοις. [173] περιστάσης δὲ τριστιχεὶ τῆς φάλαγγος Ἰουδαῖοι μὲν ἀχανεῖς ἦσαν πρὸς τὸ ἀδόκητον τῆς ὄψεως, Πιλᾶτος δὲ κατακόψειν εἰπὼν αὐτούς, εἰ μὴ προσδέξαιντο τὰς Καίσαρος εἰκόνας, γυμνοῦν τὰ ξίφη τοῖς στρατιώταις ἔνευσεν. [174] οἱ δὲ Ἰουδαῖοι καθάπερ ἐκ συνθήματος ἀθρόοι καταπεσόντες καὶ τοὺς αὐχένας παρακλίναντες ἑτοίμους ἀναιρεῖν σφᾶς ἐβόων μᾶλλον ἢ τὸν νόμον παραβῆναι. ὑπερθαυμάσας δὲ ὁ Πιλᾶτος τὸ τῆς δεισιδαιμονίας ἄκρατον ἐκκομίσαι μὲν αὐτίκα τὰς σημαίας Ἱεροσολύμων κελεύει.

Handelten die Bedrohten verzweifelt? Oder gar listig?
Welche Motive könnten die Befehlshaber geleitet haben?
Camillus wird als Vorbild dargestellt. Ob er den Gedanken hatte, dass Rom durch wohlwollende Behandlung der Tuskulaner umso zuverlässigere Verbündete bekäme? Ob er Blutvergießen verhindern wollte? Dies schien im Alten Rom kein hohes Ziel gewesen zu sein. Wie dagegen Verbündete bzw. Unterworfene „zur Räson gebracht“ werden können, dafür hatte Rom schon das Sprichwort „Mögen sie uns hassen, solange sie uns nur fürchten!“  Könnte Mitleid mit so freundlich entgegenkommenden Menschen eine Rolle gespielt haben? Berichtet wird nur von der erwähnten wahren Waffe und den wahren Kräften der Feinde: patientia. (Mit patientia meint Livius offenbar nicht nur das Hinnehmen von Schlägen, sondern auch ein aktives Handeln, das kraftvoll wie eine Waffe wirkt.)
Die Römer waren aus Erfahrung sehr überzeugt von der Wirksamkeit ihrer Militäreinsätze. Ob Pilatus den Gedanken hatte, seine Herrschaft könnte anschließend weniger leicht aufrecht zu erhalten sein, wenn er die Gottesfürchtigen töten ließe? Immerhin riskierte Pilatus bei Nichtdurchsetzen seines Vorhabens Ärger mit Kaiser Tiberius in Rom, der auf göttliche Verehrung im ganzen Reich Wert legte. Berichtet wird nur: Er überbewunderte, schätzte übermäßig hoch das Lautere der Gottesfrucht der Unterworfenen.

Ermutigende Beispiele für Friedenshandeln

Ermutigende Beispiele für Friedenshandeln

- Der Kampagne ICAN ist es in rund zehn Jahren gelungen, mehr als 120
Staaten unter einem Atomwaffenverbotsantrag zu sammeln. Sie erhielt 2017 den Friedensnobelpreis.

- Nach Protesten von Friedensbewegten in Köln sagte die Messeleitung
Köln die Militär- und Waffentechnik-Messe Itec für das Jahr 2018 ab.
Auf der letzten Itec-Messe im Jahre 2014 hatten noch 110
Rüstungsunternehmen ihre todbringenden Produkte ausgestellt. Nun gilt
es diese weiter gezogene Rüstungs-Messe aus Stuttgart zu vertreiben!

- Durch massive Proteste aus der Zivilbevölkerung - u.a. von der
Kampagne "Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel" - sind bis heute keine
neuen Panzer an Saudi-Arabien ausgeliefert worden.

- Zumindest die Pläne für eine gemeinsame türkisch-deutsche
Panzerfabrik sowie die bessere Panzerung bereits gelieferter deutscher
Leopard-Panzer wurden von der neuen Bundesregierung vorerst auf Eis
gelegt.

- In Lahr - zwischen Freiburg und Offenburg gelegen - hat die örtliche
Friedensbewegung es geschafft, den Gemeinderat zu überzeugen, gegen
die Ansiedlung einer Schweizer Munitionsfabrik zu stimmen - und damit
auch auf Gewerbeeinnahmen zu verzichten.

- Die Europäische Investitionsbank (EIB) erteilte vor zwei Jahren den
Vorschlägen der EU-Kommission zur Finanzierung von
EU-Rüstungsprojekten eine Absage. Begründung: Sie müsse sich
refinanzieren bei Anlegern, die ganz klar die Finanzierung von Rüstung
aus ethischen Gründen ausgeschlossen haben.

- Die Kampagne "Abrüsten statt Aufrüsten" hat in relativ kurzer Zeit
unzählige Unterschriften gesammelt, das 2-Prozent-Aufrüstungsziel zu
verhindern - und statt dessen eine Umschichtung von Rüstungsausgaben
hin zu Schulen, Kindertagesstätten, sozialem Wohnungsbau,
Krankenhäusern, öffentlichem Nahverkehr, kommunaler Infrastruktur,
Alterssicherung, ökologischem Umbau, Klimagerechtigkeit und
internationaler Hilfe zur Selbsthilfe gefordert.

- Private und institutionelle Anleger, die sich der globalen
Divestment-Bewegung angeschlossen haben und aus Investitionen mit
Verbindungen zu fossilen Energien aussteigen, verfügen mittlerweile
über ein Gesamtvermögen von mehr als fünf Billionen US-Dollar.

Wer nicht bei der GLS-Bank, der Triodos-Bank oder der Ethik-Bank sein
Geld angelegt hat, läuft Gefahr, dass sein Erspartes irgendwo in einer
Waffenschmiede Unheil anrichtet.

Fragt bei euren Banken nach - und schichtet euer Geld dorthin um, wo
es sinnvoll zum Beispiel in erneuerbaren Energien oder Biohöfen
eingesetzt wird!


Wo sind Menschen noch an anderen Orten und arbeiten an einer gerechteren und friedvolleren Welt?

- In der Nähe von Magdeburg engagieren sich Friedensbewegte in der
Kampagne "Krieg beginnt hier" - um darauf hinzuweisen, dass auf dem
nahe gelegenen Gefechts-Übungszentrum Altmark von deutschem Boden aus
Kriege eingeübt und vorbereitet werden.

- In Büchel protestieren auch 2018 wieder verschiedene Gruppen gegen
die Modernisierung und für den Abzug der letzten Atomwaffen auf
deutschem Boden. Für den 7. Juli 2018 haben mehrere Landeskirchen
ihren Protest-Besuch angekündigt.

- In und um Ramstein in der Pfalz fordern Menschen die Beendigung
völkerrechtswidriger US-Drohneneinsätzen von deutschem Boden aus und
die Schließung der Airbase Ramstein.

- Die Kampagne "Macht Frieden. Zivile Lösungen für Syrien" wird weiter
daran arbeiten, die wachsende Zahl der Nein-Stimmen im deutschen
Bundestag bei der nächsten Verlängerung der Bundeswehrmandate für
Syrien und Irak zu erhöhen - und gleichzeitig zivile Konfliktlösungen
vorstellen.

- An vielen Orten in Deutschland gibt es Gruppen, die sich mit der
Forderung "Bundeswehr raus den Schulen" u.a. für die Einhaltung der
UN-Kinderrechtskonvention einsetzen. Derzeit sind mehr als 1000 unter
18-Jährige in der Bundeswehr eingesetzt, die gemäß der
UN-Kinderrechtskonvention dort gar nicht sein dürften!

- Ende Mai bis Anfang Juni wird die Aktion Staffellauf 2018 von
Oberndorf nach Berlin stattfinden. Vom Sitz des Rüstungskonzerns
Heckler und Koch werden sich Menschen in Etappen auf den Weg zur
Bundesregierung aufmachen, um dort am 2. Juni 2018 eine Großkundgebung
abzuhalten. Sie werden dort mit einer Friedensfahrradtour zusammen
treffen, die von Würzburg aus startet und ebenfalls wie die
Läufergruppe Station an Rüstungsstandorten machen wird.

- Vor dem Festsaal bei der Weihnachtsfeier der Firma Diehl mahnten
Aktive: "Christen bauen keine Waffen" - eine Auffassung, die auch
Papst Franziskus vertritt.

- Die friedenspolitisch sehr aktive evangelische Landeskirche Baden
erarbeitete ein Rüstungs-Ausstiegsszenario und stellte den Entwurf in
den Friedensräumen Lindau vor. Der evangelische Landesbischof traf
sich zur Diskussion mit dem Chef des Diehl-Konzerns.

- Mehrere Landeskirchen haben sich auf den Weg gemacht, "Kirchen eines
gerechten Friedens" zu werden!

- Auch in diesem Jahr (2018) wird es in Überlingen wieder einen
Frieden-Stiftertag mit einem ganztägigen Workshop zu Fragen
gewaltfreier Konfliktbearbeitung geben.

- Vertreterinnen und Vertreter des 60-köpfigen Vereins "Keine Waffen vom
Bodensee" haben Pfarrerinnen und Pfarrer aus vier Landeskirchen zu
einer Langzeitfortbildung eingeladen. Themen sind die Rüstungsbetriebe
am Bodensee und deren Konversion.

- Als Untergruppe des Vereins "Keine Waffen vom Bodensee" hat sich vor
drei Jahren die Initiative "Friedensregion Bodensee" gebildet, der
inzwischen rund 20 Mitglieder angehören. Diese Gruppe, der besonders
die positiven Friedensansätze am Herzen liegen, beschäftigt sich u.a.
damit, welche konkreten Alternativen es zur Herstellung von Waffen am
Bodensee gibt.

Die Initiative fragt auch, wie den in den Rüstungskonzernen
Beschäftigten die Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes durch
sinnvolle zivile Produktionsmöglichkeiten genommen werden kann.

Zu den Aktivitäten der Gruppe "Friedensregion Bodensee" gehört u.a.
das WIR-Cafe in Owingen als Internationaler Treffpunkt.

- Im Mai wird im Pestalozzi-Kinder- und Jugenddorf Wahlwies im Rahmen
des "Pilgerweges für den Frieden" ein Friedensbaum gepflanzt werden.
In Stockach findet die Aktion "Singen für den Frieden" statt.

- Am westlichen Bodensee gibt es schon jetzt zahlreiche
landwirtschaftliche Demeter-Betriebe und andere Biohöfe für
nachhaltigen und fairen Einkauf und Konsum.

- Die Integration von Flüchtlingen wird in vielen Gemeinden groß
geschrieben. Dem wachsenden Rechtsruck in Europa begegnen Menschen
rund um den Bodensee mit ihrer friedensfördernden und integrierenden
Arbeit mit Menschen aus aller Welt.

- Mit den Friedensräumen in Lindau und dem Friedensmuseum in Schachen
stehen kulturelle Räume zur Begegnung und zum Austausch bereit, die
noch weit größere Aufmerksamkeit verdienen als bisher.

Auszüge aus der Rede von Clemens Ronnefeldt anlässlich der Bodenseekonferenz am 2. April 2018 in Bregenz.
Clemens Ronnefeldt,
Referent für Friedensfragen beim Internationalen Versöhnungsbund - Deutscher Zweig

Das Gewehr über der Schulter

Pats (Patrick Lloyds) Erlebnisse während des Ersten Weltkrieges standen ihm nicht im Gesicht geschrieben. Der Autor musste einige Mühe und Geduld aufbringen, um sie aus Pat herauszubekommen. Hier sind sie. Wenn die Leserin Pat kennen würde, dann würde es ihr nicht schwerfallen, alles zu glauben. Pats Truppe, sie waren Kanadier, wurde befohlen bei vollem Tageslicht über ein offenes Feld die Deutschen, die in einem Wald standen, anzugreifen. Von den Männern der Kompanie kamen nur fünf zurück, unter ihnen Pat. Am Tag des Waffenstillstandes waren sie noch zu fünfundzwanzig. Als der Schlachtenlärm aufhörte, drehten einige von ihnen durch und schrieen laut.

Als er siebzehn war, hatte er sein Alter gefälscht, um sich für die kanadische Armee einschreiben lassen zu können. Tief in seinem Herzen wusste er allerdings, dass Krieg nicht der Weg zu Gerechtigkeit und Frieden war. Aber mit siebzehn, als ältere Freunde in Europa Helden wurden und es die am besten aussehenden Mädchen beim Anblick einer Uniform heiß und kalt überlief, dachte er: Also gut, warum eigentlich nicht?

Er trug Stücke von Wellblech auf dem Kopf zur Front in Frankreich, die dort für den Bau von Unterständen benutzt werden sollten. Der Boden um ihn her war aufgewühlt. Es hagelte Grantatsplitter auf die Wellblechstücke auf seinem Kopf. Pat erschien die Situation hoffnungslos. Wozu sollte das wohl alles gut sein? Hatte das Leben irgendeine Bedeutung? Man konnte ebenso gut von einem der Splitter getroffen werden wie davonkommen. In seiner Verzweiflung und Erschöpfung ruhte er einen Augenblick aus und es kümmerte ihn kaum, ob er getroffen würde oder nicht. Er erwartete, dass irgendein Offizier ihn wütend anschreien würde: „Was machen Sie da? Sehn Sie zu, dass Sie vorwärtskommen!“

Dann geschah Pat das Seltsamste, das er je erlebt hatte. Aber zu dem Zeitpunkt schien es völlig natürlich, so dass er sich nicht wunderte. Eine strahlende Figur näherte sich ihm. Offenbar war es Jesus. Er kam zu Pat, gab ihm freundlich die Hand, lächelte und glitt dann an ihm vorüber ins Dunkel.

Von da an konnte Pat nicht mehr töten. Das Kopfschütteln genügte Pat vollständig. Es ging nicht darum, was wirklich geschehen war, ob das Erlebnis seiner übererregten Fantasie zu verdanken war oder ob wirklich Jesus zu ihm gekommen war. Es ging darum, dass Pat von da an nicht mehr direkt am Krieg teilnehmen konnte.

Er hatte keine Angst. Die Tommies in den Schützengräben fühlten, dass er sich verändert hatte. „Warum?“ konnten sie beunruhigt fragen, „Es ist dir doch nichts passiert! Es hat sich doch nichts verändert. Wir verstehen nicht, was über dich gekommen ist.“

Pat sagte seinem Oberst, einem Mann aus Calgary in Kanada, dass es für ihn mit dem Töten vorbei sei. „Was zum Teufel denken Sie eigentlich, wozu wir hier sind?“ fragte der überraschte Oberst McDonald.

Pat kam vor ein Kriegsgericht und wurde zum Tode durch Erschießen verurteilt. Der Oberst verabscheute das, aber so waren nun einmal die Gesetze der Armee.

Während Pat auf die Exekution wartete, dachte er tief nach, wurde sehr still und lauschte auf Gott. Schließlich kam ihm in den Sinn, dass es eine Lösung des Problems geben könnte. Er ging also zu Oberst McDonald. „Ich werde den Gesetzen der Armee gehorchen. Zwar werde ich niemanden töten, aber ich werde weiter vorwärts gehen.“

Zu seiner Überraschung fand der Oberst im militärischen Handbuch zwar eine genaue Anleitung zur Benutzung des Bajonetts, aber an keiner Stelle wurde die Benutzung befohlen. Er war sehr froh, dass Pat nicht erschossen werden musste. Er nahm seinen Vorschlag an.

Aber der Oberfeldwebel, der später von seinen eigenen Männern von hinten erschossen wurde, war nicht zufrieden. Er dachte, Pats Einfall sei vollständiger Unsinn. Daraus ergab sich, dass Pat in nur zwei Wochen dreimal auf Patrouille geschickt wurde. Er machte es sich zur Regel, dass er nie die Auslöser der Granaten betätigte, nie schoss und nie sein Bajonett benutzte. Irgendwie kam er mit dem Leben davon.

Bei einem Angriff kamen von der gesamten Kompanie nur eine Handvoll Soldaten zurück. Zu ihnen gehörte auch Pat. Sie zählten die Kugellöcher in Pats Uniform. Es waren sechzehn und eine leichte Fleischwunde. Es schien unglaublich, dass er das lebend überstanden hatte.

Der Oberfeldwebel hatte etwas gegen diesen aus der Art geschlagenen Soldaten. Er war ein alter Haudegen, ausgekocht und unsensibel. Pat war klar, dass den Männern nichts lieber wäre, als mit anzusehen, wie ihr Tyrann in eine lächerliche Lage gebracht würde. Einmal wurde er wütend und schrie Pat an, indem er wüste Schimpfwörter gebrauchte. Er befahl ihm, sein Gewehr zu laden und zu schießen. Pat fügte sich ruhig und höflich und zielte dorthin, wo sein Schuss den geringsten Schaden anrichten würde. Er wollte nicht, dass der Oberfeldwebel das Gesicht verlöre.

Immer wieder gab Pat in allen möglichen Einzelheiten nach, gab in technischen Punkten, so weit er konnte, nach, führte getreulich alle Handlungen eines guten Soldaten aus – nur dass er das Töten ausließ. Eines Tages gab ihm der Oberst seinen dritten Streifen. Schließlich hatte der junge Irisch-Kanadier nicht ein einziges Mal gegen die Regeln verstoßen. Der Oberst hatte Sinn für Humor. Er sagte: „Ich gebe Ihnen diesen dritten Streifen, weil ich muss. Niemand, Pat, niemand in der ganzen kanadischen Armee ist besser davongekommen als Sie.“

Bei einem Angriff schlug das kanadische Sperrfeuer in die deutschen Schützengräben ein und Pat und seine Kompanie mussten die Soldaten der anderen Seite „völlig aufreiben“. Das heißt, sie mussten dem Sperrfeuer folgen und jeden Deutschen töten oder gefangen nehmen, auf den sie beim Vorrücken trafen. Jeder Soldat sprang in einen Schützengraben und tat, was er konnte. Natürlich war das verwirrend. Pat war plötzlich allein in einem Schützengraben. Er wusste nicht, ob er vor oder hinter den anderen war.

Als er in einem Graben um die Ecke bog, tauchte vor ihm plötzlich ein Deutscher auf, der zu seinem Empfang bereit war. Gewehr und Bajonette des Deutschen richteten sich auf Pat. Sofort ging Pat, das Gewehr über die Schulter gehängt, auf den Deutschen zu und hielt beide Hände vor sich, die Handflächen ein wenig erhoben. Er hob die Hände nicht über den Kopf. Das wäre zu viel gewesen, so als würde er sich ergeben.

„Kamarad!“ rief Pat und lächelte. Das Bajonett des Deutschen kam näher und war nur einige Meter von Pats Bauch entfernt.
„Sprechen Sie deutsch?“ fuhr Pat fort, „you sprechen English?“
„Nein English“, antwortete grimmig der andere unter seinem Helm hervor.

Der Deutsche war nun überrumpelt, er war überrascht worden. Er war auf einen Bajonettstoß des Feindes gefasst gewesen. Aber dieser seltsame Kanadier fragte ihn, ob er Englisch spreche und noch dazu mit diesem komischen Akzent. Der Deutsche schob mit einer Hand ganz verwirrt den Helm zurück und fasste mit der anderen sein Gewehr fester.

„Liebe mannen“, sagte Pat, „alles mannen.“ (Ich liebe Menschen, alle Menschen.)
„Alles mannen? Deutsch?“ antwortete der Deutsche ungläubig.

„Ya, alles mannen“, und Pat balancierte sein Gewehr auf den ausgestreckten Händen. Er wollte, dass der Deutsche versteht, dass er Patronen im Gürtel hatte und dass er sein Gewehr genau so wirksam gebrauchen könnte wie der Deutsche seines. Das könnte er, aber er würde es nicht tun. Widerstrebend verstand der Deutsche. Die beiden Soldaten setzen sich auf die Gewehrablage. Pat durchsuchte sein Gedächtnis nach deutschen Wörtern. Er wollte sagen: „Ich hasse den Krieg“, also versuchte er: „Nicht war“. Der Deutsche verstand nicht. „Nicht la guerre“, sagte Pat, der nach dem richtigen Wort suchte. Der andere zeigte Verachtung. Offensichtlich missfiel ihm der Gedanke an irgendetwas Französisches. Pat erklärte noch einmal, er liebe alle Menschen.

Die Anspannung dieses behutsamen Balancierens auf der Schwelle des Todes, dazu der seltsame Akzent und die unpassenden Wörter des unerschütterlichen Iren neben ihm waren zu viel für den Deutschen. Er hatte Pat zunächst mit Misstrauen betrachtet, aber jetzt konnte er nicht anders, er musste lachen.

„Ach“, brach es fast unkontrollierbar aus ihm heraus. Er wedelte mit seinem
Gewehr in der Luft herum, als wäre es ein Spazierstock. „Freund! Freund!“ rief er.

Sie schwätzten noch weiter, jeder in seiner eigenen Sprache, aber sie konnten sich gegenseitig verstehen. Schließlich ging jeder der beiden seiner Wege.


Aus dem Buch: 
Instead of cowardice or hate
COURAGE IN BOTH HANDS
Dramatic stories of real men and women who accomplished more than they believed they could
Allan A. Hunter
Copyright © 1962 by Allan A. Hunter Printed in the United States of America
BALLANTINE BOOKS, INC.
101 Fifth Avenue New York 3, N. Y.

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